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Energienews


05.02.2018

Diskussion zum Brandrisiko Fassadendämmung

Die Ingenieurkammer-Bau NRW packte beim Energieforum West 2018 das Thema „Brandrisiko Fassadendämmung“ an. Es diskutierten Werner Eicke-Hennig vom Energieinstitut Hessen und Jörg Teilenberg von der Duisburger Berufsfeuerwehr unter Moderation von Ralph Erdenberger von wdr 5.

Fassadenbrände mit Polystyrol sind ein neue Erscheinung, ihre Häufigkeit aber gering, so Eicke-Hennig: 1,8-mal pro Jahr brennen mit Polystyrol gedämmte Fassaden in Deutschland in einem Umfang mit, dass die Brandfälle nennenswert seien. Das ergäbe eine Analyse der „Wärmedämmverbundsystem-Brandereignisliste“ des Deutschen Feuerwehrverbandes durch das Energieinstitut Hessen. Die Liste belege über einen Zeitraum von 16 Jahren nur 108 Fassadenbrände mit WDVS-Beteiligung. Davon seien 20 % Fehleinträge und 53 % Bagatellbrände. 1,8 umfänglichere Brände pro Jahr seien ein extrem geringes Problem, bei 180.000 Bränden pro Jahr in Deutschland.

Polystyrol brenne nur in Folge ohnehin stattfindender Brände. Zu unterscheiden sei deshalb zwischen dem Schadensanteil durch den Primärbrand und den Zusatzbeitrag durch das mitbrennende Polystyrol. So zerstören die Flammen bei einem Zimmerbrand immer das Zimmerfenster und schlagen die Fassade hinauf, dort weitere Zimmerbrände erzeugend. Schwachpunkt sei hier nicht die Dämmung sondern die Verglasung. Die Anzahl der Brände in Deutschland nehme durch weitere Fassadendämmung nicht zu. Noch nie sei ein Mensch in Deutschland durch eine brennende Polystyrolfassade ums Leben gekommen. Die Anzahl der Brandtoten habe sich seit 1980 auf rund 340 halbiert, obwohl immer mehr Fassaden gedämmt seien. Jörg Teilenberg bezweifelte, dass die „WDVS-Brandereignisliste“ die Gesamtzahl der Brände mit WDVS wiedergäbe. Die Berufsfeuerwehr Frankfurt führe diese bundesweite Liste, so Eicke-Hennig und erfasse dort alle Brände mit WDVS-Beteiligung. Frankfurt weise aber nur 0,9 solcher Brände pro Jahr auf. Wären alle Fassaden einmal gedämmt, erhöhe dies die Anzahl der Fassadenbrände maximal um den Faktor 10, also auf 9-18 Brandfälle pro Jahr.

Die anschließende Falldiskussion eines Brandes in Duisburg in der Straße „Unter den Linden 21“ ergab kein klares Ergebnis. Dort starben 2016 bei einem Zimmer- und Fassadenbrand mit WDVS-Beteiligung drei Menschen im Dachgeschoss. Jörg Teilenberg vertrat die These, die Brandtoten seien durch den Fassadenbrand in das verrauchte Treppenhaus „gedrückt“ worden und deshalb sei die Dämmung schuld. Alle Zimmer über dem Brandentstehungszimmer hätten im Vollbrand gestanden. Laut Eicke-Hennig verrauche bei Zimmerbränden stets das Treppenhaus und würden Brandüberschläge von Fenster zu Fenster den Brand an der Fassade nach oben tragen. Dies habe mit der Dämmung erst einmal nichts zu tun. Der Brand sei in diesem Fall auch schneller nach oben gelaufen, weil das Fenster im brennenden Zimmer offenstand. Feuerwehrleute hätten am Brandort diskutiert, der Gebäuderücksprung, in dem die Fenster liegen, hätte wegen seines Schornsteineffektes auch ohne Dämmung den Brand beschleunigt. Offen bliebe die Frage, warum die übrigen 28 Bewohner nicht ins verrauchte Treppenhaus flüchteten. Nur die am weitesten vom Brandherd entfernt im Dach schlafenden Personen, deren Dachflächenfenster bis zum Schluss intakt blieben, fanden den Tod. 90 % der Brandtoten in Deutschland seien Rauchtote und Rauch sei durch die Luftdruckverteilung in Häusern im Dachgeschoss am dichtesten. Es wäre unlogisch, in Duisburg einen anderen Hergang zu vermuten. Bei aller Tragik von Einzelfällen könne die Branddiskussion nicht moralisch geführt werden. Erforderlich ist eine rationale Risikodiskussion in der Gesellschaft.

Weitere Informationen zu Fassadenbränden finden Sie im GEB:

und beim Energieinstitut Hessen.




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